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Handlungsleitfaden zur Umstellung

Im folgenden werden mögliche Handlungsstränge aufgezeigt, die eine Umstellung auf Recyclingpapier bewirken könnten. Selbstverständlich kann es hier nicht darum gehen, ein Patentrezept zu erstellen, dazu sind die Situationen an den Hochschulen zu individuell. Zurückgegriffen wird auf Erfahrungen in verschiedenen Hochschulen, die bereits erfolgreich umgestellt haben.

Inhaltliche Vorbereitung

Standardargumente, auf die man trifft, sind: "Recyclingpapier ist unansehnlich.", "Recyclingpapier kostet viel zu viel.", "Die Kopierer und Drucker gehen kaputt.". Um diesen immer wiederkehrende Vorurteile mit stichhaltigen Argumenten zu begegnen bietet die Literatur- und Linkliste Hilfestellung.

Evaluierung der Rahmenbedingungen

Bevor man mit den entscheidungsbefugten Personen Kontakt aufnimmt, sollten die individuellen Rahmenbedingungen evaluiert werden. Es gibt im Hochschulbereich verschiedenste Modelle, wie die Papierbeschaffung gestaltet ist. So kann die Beschaffung zentral geregelt sein, d.h. ein Dezernat innerhalb der Universitätsverwaltung ist für die Papierbeschaffung der gesamten Uni zuständig. Dieses Modell ist an Campus-Universitäten wie der Uni Bielefeld anzutreffen. Diese Version der Papierbeschaffung ist wesentlich leichter zu beeinflussen, da wenige Personen zuständig sind.

In dezentralen Strukturen liegen die Zuständigkeiten der Papierbeschaffung verstreut. Existiert ein Rahmenvertrag mit einem Unternehmen für den Kopierbereich, ist meist eine Stelle für den Vertrag zuständig und die einzelnen Universitätseinheiten für die individuelle Papierbestellung. Die Uni Münster ist hierfür ein gutes Beispiel.

Liegt ein Rahmenvertrag vor, muss folgendes geklärt werden:

Sollte der Vertragspartner kein Recyclingpapier bereitstellen, ist man zunächst an die vertraglichen Laufzeiten gebunden. In diesem Fall gibt es die Möglichkeit, die Bereitstellung von Recyclingpapier in den Leistungskatalog bei der kommenden Ausschreibung mit aufzunehmen (siehe Rubrik Rechtliches).

Die Informationen für die Rahmenbedingungen lassen sich bei den zuständigen Verwaltungsdezernaten erfragen. Diese Informationen sind nicht vertraulich, soweit sie keine Geschäftsgeheimnisse preisgeben. Die rechtlichen Hintergründe finden sich im Informationsfreiheitsgesetz des Landes NRW (siehe Rubrik Rechtliches)

Für die Papierbeschaffung im Druckbereich sind meistens die einzelnen Verbraucher selbst zuständig. Ein Rahmenvertrag existiert in der Regel nicht, so dass der Einsatz von Recyclingpapier nicht über den Weg einer Vertragsregelung erreicht werden kann.

Konkretes Handeln

Je nach Rahmenbedingungen können die richtigen Handlungsschritte ganz verschieden sein. Grundsätzlich gilt: um eine nachhaltige Umstellung der Uni zu erreichen, muss in irgendeiner Form ein verbindlicher rechtlicher Rahmen geschaffen werden. Appelle jeglicher Art greifen in den meisten Fällen nicht. Ziel muss also eine bindende Regelung sein. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten, die sich an den jeweiligen Rahmenbedingungen orientieren. Um einige Beispiele zu nennen:

Rechtlich ist die Aufnahme des Leistungspunktes "Recyclingpapier" in die Beschaffungskriterien für Papier kein Problem. Selbst gewisse Mehrkosten stehen dem nicht im Wege.

Erstrebenswert ist in jedem Fall ein Rektoratsbeschluss, an welchen alle Mitglieder und Angehörigen der Uni gebunden sind. Um das zu erreichen, können unterschiedliche Optionen in Frage kommen. Im Vorfeld gilt es zu klären, ob die zuständige Stelle für die Papierbeschaffung in einer Umstellung Probleme sieht und welche dies sind. Sieht die zuständige Stelle keine Probleme, hat mein ein gutes Argument in den weiteren Verhandlungen. In jedem Fall sollte versucht werden, die zuständigen Personen zu überzeugen, hängt es doch oft an Einzelnen, ob eine Umstellung Erfolg hat. Das Rektorat holt bei den zuständigen Dezernaten in der Regel eine Einschätzung zu den Möglichkeiten einer Umstellung ein. Sieht das zuständige Dezernat keine Probleme und ist überzeugt, so ist die Entscheidungsgrundlage des Rektorates wesentlich günstiger. Bedenken der zuständigen Stellen werden vom Rektorat sehr ernst genommen.

Eventuell reichen erste Gespräche mit dem Rektorat schon aus, um einen Beschluss anzustoßen. Sinnvoll ist es immer, nicht alleine dazustehen. Es ist äußerst hilfreich, sich "Verbündete" aus verschiedenen Bereichen zu suchen. An Hochschulen sind dies vor allem Vertreter der Studierenden wie z.B. der AStA oder die studentischen Senatsmitglieder und Vertreter der Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer in Form von einzelnen Unterstützern, Senatsmitgliedern, Dekaninnen und Dekanen oder Vertreter von zentralen Forschungseinrichtungen. Potentielle Unterstützerinnen und Unterstützer finden sich natürlich auch in Umweltverbänden, Umweltinitiativen, Eine-Welt-Gruppen und anderen Institutionen mit Umweltbezug. In der Praxis könnte das etwa so aussehen: an der Uni Münster hat der AStA verschiedene Professoren, diverse Umweltinitiativen, das Zentrum für Umweltforschung und den Dachverband der Münsteraner Umweltverbände als Mitunterzeichner für einen Brief an das Rektorat gewinnen können. Dieses Schreiben hatte sicherlich nicht zuletzt aufgrund des breiten Bündnisses Erfolg (siehe Rubrik Beispiel)

Sollte auch ein solches Schreiben keinen Erfolg haben, kommen andere Wege in Frage. Ein Beschluss des Senates fordert das Rektorat, entsprechende Maßnahmen in die Wege zu leiten. Je nach Hochschule sehen die Kompetenzen des Senates jedoch unterschiedlich aus, so dass ein Senatsbeschluss nicht zwingend rechtsverbindlich für das Rektorat ist. In den meisten Fällen dürfte ein Senatsbeschluss aber Erfolg haben. Allerdings können nur Senatsmitglieder Anträge einbringen. Studentische Senatsmitglieder werden von den Studierenden gewählt, es dürfte in der Regel Unterstützung für einen Antrag bzgl. einer Umstellung geben. Selbstverständlich kann man auch unter den Professorinnen und Professoren und den wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Unterstützung suchen. Hilfreich könnte ebenfalls eine Resolution des Studierendenparlaments und des AStAs sein.

Helfen alle Unternehmungen innerhalb der Universität nicht weiter, muss eine andere Strategie gefahren werden.

Pressearbeit ist ein gutes Mittel, um das Thema in eine breitere Öffentlichkeit zu tragen. Universitäten sind nicht daran interessiert, in der Presse negativ erwähnt zu werden. Protestbriefe und Protestmails sind ebenfalls ein geeignetes Mittel, um eine Umstellung weiter voranzubringen. Hier bietet sich die Zusammenarbeit mit Umweltgruppen an, da diese über ein hohes Mobilisierungspotential verfügen (Mailverteiler, Homepage, Infobriefe, Flugblätter...). Parallel sind öffentlichkeitswirksame Aktionen ein gutes Mittel. In der Regel sind die Widerstände gegen eine Umstellung auf Recyclingpapier nicht dermaßen groß, dass die Uni Negativschlagzeilen in Kauf nimmt. Wichtig ist, nicht locker zu lassen und ständig nachzuhaken, bis wirklich ein Beschluss existiert.

Bei erfolgreicher Umstellung sollte dies der Öffentlichkeit auch vermittelt werden (siehe Rubrik Beispiel).

Außerdem empfiehlt sich ein Dankesschreiben mit Erfolgsmeldung bei den Mitunterzeichnern.

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Dieses Angebot wurde vom Umweltbundesamt gefördert
im Rahmen des Projektes: "Zukunftsfähig mit Papier in Deutschland"